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Einleitung
Kommentar des Regisseurs
Schlusselfiguren

Martin Heidegger wurde 1889 geboren und ist der einflussreichte Philosoph des 20. Jahrhunderts. 1927, nach einer Ausbildung bei Edmund Husserl, veröffentlichte Heidegger sein Hauptwerk "Sein und Zeit". Diese Arbeit beschäftigte sich mit der lange vor Plato in Vergessenheit geratenen "Frage des Seins". Es war eine grundlegende Untersuchung des Wesens der Menschlichkeit. 1933 wurde Heidegger Mitglied der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) und wurde Rektor der Universität Freiburg. Seine Antrittsrede endete mit den Worten "Heil Hitler!" und ist ein Schandfleck in der Geschichte der Philosophie. 1934 legte Heidegger das Rektorat nieder. Er hielt weiterhin Vorlesungen, die sich immer mehr der Untersuchung antiker griechischer Texte sowie dem "größten aller Dichter" Friedrich Hölderlin zuwandten. Nach dem Krieg wurde Heidegger von den Besatzungsmächten die Lehrerlaubnis wegen seiner Mitgliedschaft in der NSDAP entzogen. Ein Thema seiner späteren Schriften ist die Bedeutung moderner Technologie. In einem Text macht er die äußerst kontroverse Aussage, Massenvernichtungen seien im Grunde das gleiche wie moderne Landwirtschaft. Heidegger starb 1976.
Friedrich Hölderlin wurde 1770 geboren und wird mittlerweile als einer der größten deutschsprachigen Dichter angesehen. Er war befreundet mit Hegel und Schilling. Seine Gedichte reflektieren sowohl seine Auseinandersetzung mit philosophischen Themen als auch seine Einschätzung der antiken griechischen Kultur und ihrer Bedeutung für die moderne Zeit. Hölderlin wurde zu Lebzeiten nicht berühmt für sein Werk, und so musste er sein Geld als Lehrer in bürgerlichen Haushalten verdienen. Sein Geisteszustand verschlechterte sich Anfang des 19. Jahrhunderts, er schrieb jedoch weiterhin Gedichte und übersetzte zwei von Sophokles' Tragödien, Antigone und Oedipus Tyrannus. Die unvollendete Hymne "Der Ister" schrieb er um 1803. Hölderlins Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehens und 1807 zog er in das Haus eines Zimmermanns in Tübingen, wo er bis zu seinem Tod im Jahre 1843 lebte.

1942 beschlossen die Nationalsozialisten die Endlösung. Im gleichen Jahr hielt Heidegger eine Vorlesungsreihe über ein Gedicht Hölderlins über die Donau mit dem Titel "Der Ister". Die Vorlesung untersuchte die Bedeutung der Poesie, die Natur der Technologie, die Beziehung zwischen dem Antiken Griechenland und dem modernen Deutschland, das Wesen der Politik und der menschlichen Wohnstätte. Der mittlere Teil der Vorlesungsreihe war eine Lesung von Sophokles' Antigone. Nach Heideggers Meinung war dieser Text von großer Wichtigkeit für das Verständnis von Hölderlins Dichtung. Die Vorlesungsreihe von 1942 beinhaltet Heideggers nachhaltigste Diskussion über das Wesen der Politik. Heidegger konnte lediglich zwei Drittel der geschriebenen Vorlesungstexte halten, die vollständigen Texte wurden 1984 in seinen gesammelten Werken veröffentlicht.

Bernard Stiegler wurde 1952 in Frankreich geboren. Er verbrachte fünf Jahre seines Lebens in Haft wegen bewaffnetem Raubüberfalls. Während dieser Zeit der Isolation wurde Stiegler zum Philosophen. 1983 wurde er entlassen. 1994 veröffentlichte er den ersten Band seines Magnum Opus "La technique et le temps" ("Die Technik und die Zeit"). Das Werk war eine Untersuchung der Natur der Menschlichkeit in Verbindung mit dem Wesen der Technologie. Einerseits diskutiert Stiegler Archäologie und die Geschichte der Technologie, andererseits setzt er sich mit Heidegger auseinander, mit der Natur des Menschen, der Natur des Gedächtnisses und der Bedeutung der Sterblichkeit. Obwohl er sich Heidegger grundsätzlich verpflichtet fühlt, bemängelt Stiegler, Heidegger verstehe nicht, das der Mensch ursprünglich und grundsätzlich ein technisches Lebewesen sei, dessen Zugang zur Vergangenheit und Wissen über den Tod aus einer Beziehung zu technischen Hilfsmitteln herrühre.

Jean-Luc Nancy wurde 1940 geboren und veröffentlichte Schriften über die verschiedensten Themen, von Philosophie über Literatur bis hin zur Kunst. In den Siebzigern arbeitete er regelmäßig mit Philippe Lacoue-Labarthe zusammen, 1980 eröffneten sie gemeinsam das "Zentrum für philosophische Forschung über das Politische" in Paris. Das Ziel dieser Institution war es, philosophische Arbeiten über das Wesen der Politik zu fördern. Jacques Derrida, ein ihm nahe stehender Kollege, veröffentlichte sogar ein Buch über Nancy. Einige von Nancys Veröffentlichungen versuchen, Dekonstruktion zu einer neuen Basis für politische Gedanken zu machen. In diesem Projekt beschäftigte er sich mit Themen wie Gemeinschaft und der Möglichkeit, Politik auf etwas anderem als Identität aufzubauen. Heideggers Werk war für Nancys Arbeiten sowohl positiv als auch als Herausforderung von großer Bedeutung.
Philippe Lacoue-Labarthe wurde 1940 geboren und ist wie Jean-Luc Nancy ein enger Kollege Jacques Derridas. Er arbeitete mit Nancy an verschiedenen Büchern und eröffnete mit ihm das "Zentrum für philosophische Forschung über das Politische" an der École Normale Supérieure. 1987 veröffentlichte Lacoue-Labarthe "La fiction du politique" (Heidegger, Kunst und Politik), das die Ergebnisse seiner leidenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Problematik von "Heideggers Politik" enthielt. Es wird von vielen als die innovativste und am besten durchdachte Arbeit über Heidegger und den Nationalsozialismus angesehen. Lacoue-Labarthe wendet sich in seinem Werk Hölderlin zu und sucht neue Begriffe, um die Bedeutung der Judenvernichtung nachzuvollziehen. Zudem veröffentlichte Lacoue-Labarthe französische Übersetzungen von Hölderlins übersetzten Stücken Sophokles' und inszenierte diese Dramen für die Bühne.
Hans-Jürgen Syberberg wurde 1935 in Pommern geboren. Nach dem Zusammenbruch des Naziregimes wuchs er in Ostdeutschland auf und begann bereits als Teenager Filme zu drehen. Im Alter von 17 Jahren filmte er mit einer 8mm-Kamera Proben in Bertolt Brechts Berliner Ensemble in Ost-Berlin. 1953 migrierte er nach Westdeutschland und erlebte somit den Nationalsozialismus, den Stalinismus und den Kapitalismus. Syberbergs größtes filmisches Werk ist das siebenstündige Epos "Hitler: Ein Film aus Deutschland", das 1977 veröffentlicht wurde. Der Film ist eine unmögliche Mischung von Wagners Mythologie und brechtscher Verfremdung und versucht, in das Phänomen Hitler einzudringen, um es von innen heraus zu verstehen. In Deutschland wurde der Film kontrovers aufgenommen, in Übersee jedoch wurde er besonders von Kritikern wie Susan Sontag hochgelobt. Kritik an Syberbergs politischen Ansichten wurde laut, als er im Zuge der Wiedervereinigung ein Buch veröffentlichte, dass das moderne Deutschland kritisch betrachtet. Lacoue-Labarthe hatte den Hitler-Film vor allem in "La fiction du politique" zitiert und gehörte nun zu denen, die Syberbergs politische Ansichten für inakzeptabel hielten. Syberberg arbeitete weiterhin an diversen künstlerischen Projekten, unter anderem 1993 an einer Theaterinszenierung von Hölderlins Gedichten in Berlin.
Syberbergs website: www.syberberg.de
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